Das Einhorn in Paris

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Die Weiberrevolution von Delft

Die Lebensmittelteuerung im Jahr 1912 war ein Gesamteuropäisches Problem, doch in Flandern kam es wohl zu Krawallen unter den Frauen, so dass sich die Redaktion eines zu jener Zeit beliebten kulturellen Magazins angeregt sah, darauf hinzuweisen, dass gerade in Flandern solche Art Aufruhr Tradition hat. Im Folgenden gebe ich den Bericht über diese „Revolution der Frauen“ ungekürzt wieder:

Die flandrischen Behörden, die durch die über die Lebensmittelteuerung empörten Hausfrauen in letzter Zeit so stark beunruhigt wurden, mögen sich mit den Delfter Ratsherren und Bürgermeistern, die in der alten berühmten Töpferstadt Anno 1616 regierten, und mit des weisen Rabbi Worten trösten: Alles schon dagewesen! Denn als dort der Rat, um zu dem für den Hafenkai nötigen Geld zu kommen, einen neuen Getreidezoll auflegten, ohne, wie die Delfter Frauen sehr vernünftigerweise es wünschten, den Zoll auf Wein zu erhöhen, »als welchen die Reichen, so die Heller am besten heraußgeben können, am meisten trincken«, sind am 1. August 1616 die Weiber mit ihren Kindern zusammengelaufen und haben mit einer großen blauen Fahne, »so von einem Schurtz-Tuch gemacht war«, vor dem Rathaus gewaltig gelärmt. Der Rat verkroch sich, und als der städtische Zollmeister sich zeigte, wurde er »übel geschlagen«. Dann stürmten die Frauen das Rathaus, zertrümmerten Türen und Fenster, Kisten und Kasten, warfen Akten und Geld zum Fenster hinaus und verübten vielen sonstigen Unfug. »Und obwohl der Rat«, heißt es in der Chronik, der wir auch unser Bild entnehmen, »sie gütlich ermahnet, sich zufriedne zu geben, und von solchem Tumult abzustehen, mit Versprechen, daß wegen ihres Begehrens gute Resolution erfolgen sollte, kehreten sie sich doch wenig daran, sondern stelleten sich noch viel wilder, nicht anders, als ob sie unvernünftige Bestias, oder gar vom Teuffel besessen wären. Darauf ließ der Rath die Bürger ermahnen, daß sie ihre Gewehre nehmen, und ihre Weiber mit Gewalt und Hauß treiben sollten. Aber es wollte auch nicht verfangen. Denn etliche hatten heimlich ein sonderlich Wolgefallen über dem Wesen der Weiber, und auch solches selbst helfen anstifften, andere aber, so sich in die Waffen begeben und hierin dem Rath zu Willen werden wollen, konnten nicht zusammen kommen, sondern wurden einzelig von dem unsinnigen Gesindlein überfallen, ihnen die Gewehr abgenommen, und wider nach Haußn gejagt, auch etliche mit guten Stössen abgefertiget.«
Nach diesem Sieg über die »bewaffnete Macht« warfen die Amazonen dem Bürgermeister und sämtlichen Ratsherren die Fenster ein, worauf sie sich für die Nacht auf dem Marktplatz in einer Wagenburg verschanzten. »Der Rath aber hat der Unsinnigkeit der Weiber nachgegeben, und Alles, was sie begehret, bewilliget.«

Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens
Jahrgang 1912, Vierter Band, S. 202 ff.

 

Puff & Poggel zu Weihnachten

Alfred Poggel hat es erwischt! Ausgerechnet zu Weihnachten liegt er mit Männerschnupfen im Bett. Aber Anna Puff ist gesund und bei klarem Verstand – wenn sie nicht gerade am Eierlikör genippt hat. Ihr entgeht nichts, schon gar nichts von dem, was in der Nachbarschaft vorgeht.

Das E-Book gibt es hier.

Schmetterlinge in Franken

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Natur erleben“ (4/2017) ist das Titelthema: »Von Blüte zu Blüte – Schmetterlinge in Franken« von mir. Wir haben insbesondere in Tauberfranken eine große Artenvielfalt an Faltern, so dass man einfach fotografieren und beobachten muss. Man muss nicht in die Tropen, um prächtige Schmetterlinge zu sehen und gerade unter den Kleinen finden sich viele interessante und vor allem Bunte.

Dichtermütter

Gestern Nachmittag bin ich spontan wieder einmal nach Cleversulzbach gefahren. Der Dichter Eduard Mörike hat hier von 1834 bis 1843 als Pfarrer gewirkt, bis er aus gesundheitlichen Gründen frühpensioniert wurde. Heute befindet sich in Cleversulzbach ein Mörike-Museum – nicht das einzige, aber ein sehenswertes. Zu Beginn seines Pfarramts, hatte der Dichter das fast vergessene Grab von Schillers Mutter entdeckt. Er spendete nicht nur ein schlichtes Grabkreuz, sondern verfasste auch ein Gedicht darauf:

Auf das Grab von Schillers Mutter

Nach der Seite des Dorfs, wo jener alternde Zaun dort
Ländliche Gräber umschliesst, wall ich in Einsamkeit oft.
Sieh den gesunkenen Hügel; es kennen die ältesten Greise
Kaum ihn noch, und es ahnt niemand ein Heiligtum hier.
Jegliche Zierde gebricht und jedes deutende Zeichen;
Dürftig breitet ein Baum schützende Arme umher.
Wilde Rose! dich find ich allein statt anderer Blumen;
Ja, beschäme sie nur, brich als ein Wunder hervor!
Tausendblättrig eröffne dein Herz! entzünde dich herrlich
Am begeisternden Duft, den aus der Tiefe du ziehst!
Eines Unsterblichen Mutter liegt hier bestattet; es richten
Deutschlands Männer und Fraun eben den Marmor ihm auf.

Als 1841 Mörikes Mutter starb, beerdigte er sie neben Schillers Mutter.

Zwei Dichtermütter im Tode vereint. Elisabetha Dorothea Schiller soll eine sanftmütige Frau gewesen sein, die ihre Kinder oft vor dem Jähzorn des Vaters in Schutz nehmen musste. Charlotte Dorothea Mörike bemühte sich, ihren Kindern mit Lebensfreude und Empfindsamkeit einen Gegenpol zur Ernsthaftigkeit des Vaters, der Medizinalrat war zu bieten. Zuletzt lebte sie zusammen mit der jüngsten Tochter Klara bei ihrem Sohn Eduard und führte ihm den Haushalt.  Goethe schrieb:

Vom Vater hab ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren.

Der deutsche Schriftsteller Jakob Loewenberg (1856-1929) schrieb 1875 für die Gartenlaube einen Beitrag „Dichtermütter„.

»Es ist eine alte und richtige Bemerkung, daß die größten Männer aller Zeiten einen wesentlichen Theil ihrer geistigen Eigenart den geistigen Spillgütern der Mutter zu danken haben. Von der Mutter stammen die Keime ihrer Anlagen und Neigungen; die Mutter war es, welche sie zumeist gehegt und gepflegt hat. Aus dem Wesen der Mutter wuchs die Größe und Eigenthümlichkeit der Söhne heraus.«

Die Mütter von Goethe, Herder, Novalis, Bürger, Lenau, Heine, Zacharias Werner, Lord Byron und Alfons Lamartine zieht er als Beispiel für seinen Artikel heran, den er ausdrücklich den Frauen widmet.

Wiener Weihnachtskrimis – schon im Sommer!

Wir haben Sommer, auch wenn man an manchen Tagen daran zweifeln könnte. Ein Blick in den Kalender zeigt dies aber unmissverständlich. Und doch ist heute bei mir Weihnachten angebrochen, nachdem ich die »Wiener Weinachtskrimis« aus dem Postfach gezogen habe. „Die besten Vierzehn“ lautet der Untertitel und einer ist von mir: »Weissagung zu Weihnachten«. 1902 ist das Leben der Wiener noch schön dekadent. Peter Altenberg und Felix Salten begegnen dem »Braunerl« am Rande und ein schön geplanter Mord funktioniert am Ende anders, als geplant.

Bell so laut du kannst

Nun ist er zu haben, der »Förderband 16« des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Enthalten sind Texte der Stipendiaten, die im Jahr 2016 ein Arbeitsstipendium bekommen haben. Erfreulicherweise gehöre ich auch dazu und obwohl es eigentlich eine Frechheit ist, wurde der von mir angeblich gefundene Hermann Hesse Brief im Buch abgedruckt. Es ist natürlich alles erstunken und erlogen. Belletristik halt.